Küchen :: Die Waffen einer Hausfrau, Teil 1
Ich habe beschlossen, allen Besuchern heute Einblick in meine Küchenausstattung zu gewähren. Und nicht nur dass! Auch in die Abgründe meiner kochenden Seele darf ein Blick riskiert werden.
Seit Kevin allein zu Hause blieb, wissen wir, wie wehrhaft Kids sind - vorausgesetzt, sie sind lange genug ohne Aufsicht. Für die Muttis bleiben entweder so undankbare Rollen wie bei der Nylonstrumpfnummer, wenn der Ehemann auch noch verschwörerisch anruft - eine grandiose Doris Day in Bei Anruf Mord - ist mir persönlich zu passiv. Oder die bemerkenswerte Hausfrauenausnahme einer Killerbiene, die ihren Putzwahn mit klaren Regeln ausstattet. Wer verschmutzt, ist tot. Die grossartige Kathleen Turner als Beverly in Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht. Noch immer eine Gallionsfigur für Scharen von Putzabhängigen und Waschzwängigen. Ohne in gleicher Weise mit krimineller Energie ausgestattet zu sein, bleibt mir nur die Phantasie in eine Zwischenwelt, die den heimischen Maschinenpark im ersten Teil von Mutti allein zu Haus geistigen Auges vorbeiziehen sieht.
Wasserkocher - ich besitze natürlich einen. Bis das Wasser für einen Tee auf dem Ceran-Feld endlich fertig ist, habe ich damit für 10 Tassen heisses Wasser produziert.Das Gerät ist für eine Heiss-Wasser-Abwehr bestens geeignet, vorausgesetzt der Eindringling hat nicht als erstes die Stromversorgung gekappt. Dann kann damit zumindest noch geworfen werden.
Handrührgerät - gehört wahrscheinlich in jede aufgeräumte Küche. In meine
also auch. Ein unersetzliches Hilfsmittel bei allem, was gerührt (nicht geschüttelt) werden muss.Mit dem jeweils richtigen Aufsatz lässt sich vom Handmixer für die Sahneproduktion auf ein effizientes Abwehrmittel im provozierenden Falle der Hand-auf-Küchentürklinke umstellen.
Eine Kaffemaschine - im herkömmlichen Sinne besitze ich nicht, weil ich
meinen Kaffee nur (!!!) aus der Espressomaschine trinke.Sei's drum. Jede Maschine, die geniessbarenKaffee herstellt, wird man dankbar im Falle einer Belagerung zur Auffrischung angespannter Körperzellen einsetzen. Man stelle sich eine stunden-währende Okkupation des Wohnzimmers vor, ohne es sich bei einem Espresso in der Küche bequem machen zu können.
Küchenwaage - vermisse ich hin- und wieder schmerzlich. Aber ich behelfe mich in der Regel mit Messbechern und Pi-mal-Daumen-Massen. - Fällt als Verteidigungsmöglichkeit aus.
Toaster - Kommt sozusagen an jedem Morgen zum Einsatz, wenn ich nicht zum Bäcker gehe. Ein extrem wichtiges Küchengerät für eine positive Lebenseinstellung.Nicht nur würde es den Feind auf meinem Sofa verunsichern, neben dem Kaffeegeruch auch frischen Toast erschnüffeln zu müssen. Bei lang anhaltender Toasterei können überraschende Wurfgeschosse damit erstellt werden.
Waffeleisen - Besitze ich zwar, steht allerdings im Keller und müsste ich demnach rechtzeitig hervorholen. Denn augenscheinlich ist Waffeln-Machen ein nur seltenes Unternehmen in meiner Küche.Als einmaliges, verzweifeltes Wurfgerät - vor allem im aufgeheiztem Zustand - ist das schwere Ding kaum zu toppen.
Milchaufschäumer - kommt mehrmals täglich zum Einsatz. Dabei switche ich je nach Menge zwischen dem Stäbchen und dem Topf hin und her. Der Topf macht den besten Milchschaum
der Welt. Das muss man mal so sagen. Ist aber etwas mühsam in der Reinigung. Hingegen bietet der Schaumschläger in Stabform für den knappen Mini-Cappuccino ein hervorragendes Schaumqualität- Reinigungsaufwand-Verhältnis.Beide sind zur nachhaltigen Verteidigung des Küchenbodens nur sehr bedingt geeignet. Sie heben dafür die Stimmung während des Ausharrens in der Kochnische.
Elektrische Kaffeemühle - ist bei Freunden als Geschenk geordert. Und zwar eine aus den 60ern. Das Design ist in seiner Schlichtheit einsame Spitze. Und frisch gemahlener Kaffee durch nichts zu ersetzen. Bis jetzt male ich die Espressobohnen immer direkt nach dem Einkauf in der Migros. Aber für den veredelten Genuss meines Samstagnachmittags-Cappuccino soll es künftig frischest gemahlener sein.
Einstweilen muss ich bei plötzlichem Verteidigungsnotfall auch auf die Bohnen verzichten. Sie gäben hervorragendes Material für eine Zwille mit Schlüpfergummi.
Elektrischer Tischgrill - Ich verzichte grosszügig auf dieses Kochgerät. Für Grillabende ziehe ich das freundschaftliche Garen an Wanderwegen vor. Ausserdem hätte ich im Sommer keinen Grund mehr, Freunden auf den Pelz zu rücken, die für solche Anlässe bestens geeignete Grünanlagen hinter ihrem Haus haben.
Auf diese Weise bleibt mir auch erspart, dass sich eventuelle Eindringlinge im Keller barbecuemässig über meine Fleischvorräte hermachen.
Friteuse - Ist ebenfalls eine Leerstelle in meinem Küchenschrank. Zweimal im Jahr gibt's Pommes in Berlin. Ich habe nie verstanden, warum man für dreimal Fritieren soviel Öl in eine Küchengerät giesst, um es dann nach einigen Wochen weggiessen zu müssen. (Und wohin nur mit dem ranzigen Öl?)
Aber ich gebe zu bedenken: als Verteidigungsinstrument wäre das Teil nicht zu verachten. Man könnte Allerlei darin heiss machen - vorzugsweise eben Öl. Dem unerwünschten Erklimmenn von Balkonen oder Terassen würde frühzeitig Einhalt geboten. - Ich werde über den Erwerb nachdenken.
Eierkocher - eine weitere Fehlanzeige. Ich gare meine Frühstücksüberraschungen lieber von Hand. Mal müssen sie so sein und mal so. Und irgendwie habe ich bei meiner Mutter nie Freundschaft mit diesem Küchengerät geschlossen.
Auch hierfür gilt: es könnte hervorragende Wurfgelegenheiten produzieren. Doch das geht mit einem simplen Kochtopf auch. Erst recht, wenn zur Verteidigung des Haushaltes hartgekochte Ware mit höherer Effizienz belohnt wird.
Wasserfilter - kommt mir nicht ins Haus. Ich lebe in einem Land, in dem das Trinkwasser gottseisgedankt trinkbar ist. Das bisschen Kalk - macht sich von allein (davon) - sagt Mutti.
Saftpresse - wird täglich gebraucht. Ich liebe frische Säfte aller Art - am liebsten jedoch Orangensaft. Davon brauche ich mindestens ein Wasserglas voll pro Tag.Dessen wirkungsvoller Einsatz ist allerdings nur im Nahkampf möglich. Dem würde ich - gemessen an meiner Schüchternheit - eher aus dem Wege gehen. Nach reiflicher Überlegung wäre das gute Stück noch als Schlagwerkzeug von hinten zu gebrauchen. Alles andere - so von Angesicht zu Angesicht - ist mir eindeutig zu abenteuerlich.
Entsafter - wird ebenfalls fast täglich verwendet. Frische Vitamine sind gut für
meinen Teint, meine Wohlbefinden und tun auch sonst nicht weh. Deshalb wird gesaftet, was das Zeug hält. Ausserdem ist das meist auch noch lecker - bis auf so uncoole Sachen wie Kartoffel- oder Selleriesaft (zum Entschlacken).Für ein spontanes Friedensangebot gegenüber gewaltbereiten Hausbesetzern ist Gemüsesaft sicher nicht geeignet. Da wäre eine Destillerievorrichtung wahrscheinlich erfolgversprechender. Und mit den Kartoffeln würde ich im Bedarfsfall nur in unausgresstem Zustand werfen. Die Wirkung von schneeballmässig zusammengepressten Gemüsebrei scheint mir wenig vielversprechend.
Folienschweissgerät - Ehrlich gesagt, ich bin bisher nicht mal auf die Idee gekommen, darüber auch nur nachzudenken. Ich möchte die Lebensmittel, die vielleicht zur Aufbewahrung in Folien gehören nicht weiterverkaufen. Allein dafür stelle ich mir einen Einsatz sinnvoll vor . Ist also nicht an Bord und scheidet darum als Einsatzwaffe aus.
Römertopf - ist eine geniale Erfindung, von wem? - Kommt alle drei oder vier
Sonntage zum Einsatz und wird gehütet wie einen Schatz.Allein dessen Verteidigung würde jeden Aufwand rechtfertigen, den Zutritt zu meiner Küche wie eine Löwin zu verteidigen. Bei aller Kompaktheit - als Wurfgerät scheidet er aus - er könnte kaputt gehen.
Pause! Das hier ist erst die Hälfte an möglichen Haushaltsgeräten, die die Stärke einer Küchenbenutzerin ausmachen. Morgen kommt Teil 2 mit so exotischen Arbeitsinstrumenten wie Orangenschälmaschine, Tomatenstrunkentferner oder Donut-Backvorrichtung. Wie vielversprechend ihre Einsatz zur Verteidigung von Herd und Spülmaschine ist, wird ebenfalls in Erwägung gezogen.
Ich wünsche einen Tag voller Annehmlichkeiten und immer daran denken: So eine Küche ist voll von Mitteln zur Abwehr bedrohlicher Einmischungsversuche. In diesem Sinne - bis morgen, Beverly.
Den zweckdienlichen Hinweis für die heutige Sendung fand ich auf 1xUmrühren bitte. Alle Fotos bei den Herstellern aus dem Netz gefischt.








4 Kommentare:
Bei obigen küchenmörderischen Gedanken fiel mir Loriots Adventsgedicht ein ("...Er war ihr bei des Heimes Pflege seit langer Zeit schon sehr im Wege. So kam sie mit sich überein: Am Niklasabend muss es sein!..."). Allerdings erlegte sie den Gatten meines Wissens nicht per Waffeleisen oder so :-). - Ein hübsches Blog mit interessanten Anregungen, Kompliment! Herzlichen Gruß
Merci dafür - und den Nachtrag aus Weimar nicht vergessen. ;))
Danke Beverly, dass du mir immerwieder im Haushalt mit deinen Wertvollen Tipps und Tricks hülfst..
Mach ich doch gern. ;)
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