Küche :: Kleine Mogeleien beim Fasten
Fasten ist ganz offensichtlich eine physische Herausforderung. Das ist nicht nur in Zeiten kulinarischen Überflusses so, sondern war auch in den etwas mageren vergangenen Jahrhunderte schon der Fall. Menschen fühlten sich immer wieder herausgefordert, das Gebot der physischen Reinigung zwar nicht zu übertreten aber doch elegant zu umgehen. Da der Fleischgenuss zur spirituellen Reinigung streng verboten war, wurde in der Fastenzeit auf Fisch umgestellt. Es ist interessant, was alles als Fisch deklariert wurde. 
Vor allem Mönche als Lebensmittelproduzenten und Historiker haben lebhafte Zeugnisse davon hinterlassen.
Zum Beispiel der gemeine Biber. Als fischähnliches Wassertier landete er in der Fastenzeit als Delikatesse auf den Tischen findiger Klosterbrüder.
Manche versuchten gar Enten als eine "Art Fische" zu deklarieren. Hier aber wurde vom Klerus Einhalt geboten und der Genuss eines zünftigen Entenbraten galt letzlich doch als sündhafte Verfehlung des Fastengebotes.
Aus dem Schwabenland wird berichtet, dass dort eine segensreiche Regel galt. Fleisch, das man nicht sah, existierte auch nicht. Die berühmten Maultaschen haben dort das Problem fleisch- sprich glanzloser Mahlzeiten gelöst.Neben dem Verzicht auf Fleisch stand ebenfalls der Verzicht auf Alkoholisches zu Gebote. Bier war anscheinend Grundnahrungsmittel in den Klöstern. Sich in der Fastenzeit davon zu trennen, schien unmöglich. Es wurde auf zweierlei Weise umgangen. Das Verbot.
Das Kloster Andechs überliefert uns vom Frater Brauer, er habe in der Fastenzeit statt wie gewöhnlich täglich 18 Maß Bier nur zehn Maß Gerstensaft getrunken. Die Rechtfertigung für das Übertreten des Gebotes geht so: "Liquida non frangunt ieunum", zu deutsch: Flüssiges bricht Fasten nicht. Man erklärte kurzerhand: Flüssiges sei aus dem Verbotskatalog auszuschliessen und eins, zwei, drei konnte sich ungestört dem Genusse zugewandt werden.
Diese Regel wurde jedoch nicht von diesem Österreicher erfunden. Jene Ausnahme für Flüssiges aus dem Fastenkatalog geht angeblich auf eine päpstliche Bulle zurück. Und die wurde wegen eines anderes Getränkes notwendig. Mitte des 16. Jahrhunderts nämlich wurde die Schokolade aus der "Kolonie" Mexiko nach Spanien importiert. Das neue Modegetränk hatte solch durchschlagenden Erfolg bei den Madrilenen, dass die halbe Stadt der Sünde anheimzufallen drohte, wenn nicht für Schokolade eine Ausnahme gefunden worden wäre.Der Passauer Domherr gewährte armen Leuten zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag täglich ein Maß Freibier. - Soviel zum Vorurteil, die Kirche hätte die Armen geschröpft. Zur Beruhigung eventuell besorgter Seelen lieferte der der Kleriker noch diesen Spruch: "Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft, dem Menschen Bier und Rebensaft. Drum danke Gott als guter Christ, dass du kein Ochs geworden bist."
Übrigens erfanden findige Mönche ausgerechnet zur Fastenzeit das süffige Starkbier. Denn das erlaubte "Fastenbier" war nicht etwa eine verdünnte Variante sondern ein extra stark gebrautes Hefegetränk!
Nun ist das Fasten ja vorbei und ich wünsche allen, die sich an die religiösen Vorschriften gehalten haben, einen wohlbekömmlichen Einstieg in die Zeit der eiweishaltige Ernährung und geistigen Getränke, Beverly. *g*
Einiges habe ich in der Kleinen Zeitung gefunden; die Mönche sind von Weihenstephan, der Biber aus dem Kinderlexikon, die Maultaschen samt Rezept in Marions Kochbuch.








0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Link zu diesem Artikel:
Link erstellen
<< Home