Küche :: Zeiten, in denen nix oder wenig gegessen wird
Heute gebe ich mal einige tradierte Kenntnisse über Fastenzeiten weiter. In Zeiten um Ostern herum bietet sich das förmlich an. Ich habe noch mal in meinen religionswissenschaftlichen Nachschlagewerken geblättert und gebe hier das Gefundene zum Besten. Kürzlich erst wurde bei So oder anders ja die Frage nach dem Fasten diskutiert - ohne nennenswerten Erfolg, wie ich meine. *gg*
Also hier die wichtigen Fastenzeiten der grossen kulturellen bzw. religiösen Einheiten.
Für die Katholische Kirche heisst Fasten - so mal grundsätzlich - kein Fleisch und nur eine grosse Mahlzeit am Tag, also nix von keinem Alkohol oder Verzicht auf derlei Genüsse. Sie schreibt ihren Gläubigen konkrete Fastentage vor: Aschermittwoch und Karfreitag. Ansonsten anempfiehlt sie guten Katholiken zwei Fastensaisons. die Adventszeit (also vor dem grossen Fressen an den Feiertagen) und gleichfalls vor dem Osterlamm. Die österliche Busszeit meint genauestens genommen von Aschermittwoch bis zur Nacht vor Ostern zu fasten. Die Sonntage sind interessanterweise von dieser Empfehlung ausgenommen. Also einmal pro Woche kann guten Gewissens zugeschlagen werden - kalorientechnisch gesehen. Zudem hat sich für viele Katholiken die Regel noch immer gehalten, generell freitags auf den Konsum von Fleisch zu verzichten - da ist der Freitag immer noch der Tag, der dem Fischhändler seine Einnahmen sichert.
Die religiösen Ahnen der Christen haben gleichfalls Fastentage. Der Sache nach liegen die beiden Religionsgemeinschaften doch beträchtlich auseinander, nicht nur was die höchsten Fastentage betrifft. Strengster Tag für die Verweigerung genüsslicher Nahrungsaufnahme ist der Versöhnungstag, der Schabath der Schabathe: Jom Kippur. Er ist der Höhepunkt einer gleichfalls 40 Tage währenden Zeit der Trauer, der Besinnung und der Busse im Juli/August. Bereits 10 Tage vor Jom Kippur wird mit dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana dieser Höhepunkt eingeläutet. Fünf Tage nach dem Jom Kippur beginnt dann das berühmte Laubhüttenfest - dem christlichen Erntedankfest vergleichbar. Da werden dann die beim Fasten verlorenen Pfunde wieder eingefahren - sieben Tage lang!Für praktizierende Juden werden regelmässige Fastentage empfohlen. Das sind insbesondere das Fasten am Vorabend den monatlichen Neumondes, am eigenen (!) Hochzeitstag und am Todestag der Eltern. Fasten ist im jüdischen Leben keineswegs nur Fleisch weglassen. An Fastentagen wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder gegessen noch getrunken. Des nächtens wird dann durchaus in Massen Nahrung aufgenommen werden. Am höchsten Fastentag wird sich jeglicher Zufuhr von irgendwas komplett enhalten. So ist das bei strenggläubigen Juden.
Unsere islamischen Nachbaren fasten ebenfalls ausgiebig und streng einen ganzen Monat lang - Ramadan heisst der Fastenmonat und ist der neunte in der islamischen Zeitrechnung. Es ist unter Tags weder Wasser noch Nahrung gestattet. Nach Sonnenuntergang kann lustig und vor allem in Gesellschaft gespachtelt werden. Moslems ist während des Fastens auch das Rauchen und jegliche sexuelle Betätigung untersagt.
So richtig ab mit dem Fasten geht es bei den orthodoxen Christen. Da werden westliche Glaubensgeschwister immer wieder mal froh sein, dass die römische Kurie diesbezüglich keiner Annäherungsbedürfnisse zeigt. Die meiste Zeit ist der Konsum von tierischen Produkte untersagt. Wein und Öl sind ebenfalls verboten. Stattdessen wird die Zeit mit intensivem Gebet verbracht. Und die ganze Prozedur gibt es gleich viermal im Jahr: 50 Tage vor Ostern - strenges Fasten! Etwas leichter können es die Gläubigen in Fastenperiode Zwei nehmen - vom ersten Sonntag nach Pfingsten bis zum 29. Mai. Mittelschweres Fasten gibt es dann wieder in der Mariä-Entschlafung-Fastenzeit - vom 1.-14. August (mitten in den Schulferien sozusagen). Der letzte Ritt durch die Zeit der Enthaltsamkeit läutet dann die Weihnachtszeit ein. Ab 15. November beginnen drei Wochen leichtes Fasten und danach kommen noch drei Wochen mittleres Fasten. Ab 24. Dezember ist Schlemmerzeit angesagt.Zusätzlich zu den Fastenmonaten werden orthodoxe Christen an jedem Mittwoch und Freitag dazu angehalten zu fasten. Lediglich unmittelbar nach Weihnachten und Ostern dürfen auch an diesen Tage die Tische vollgepackt werden. Nun denn, lustig bzw. verschwenderisch scheint das Leben als griechische oder russische Strenggläubige nicht zu sein.
Übrigens und wenn ich schon bei den Symbolen hier bin: Farben werden ja gern symbolisch aufgeladen . Wenn sie dies in religiösem Kontext tun, bedeuten sie zumeist dies:
Weiss: symbolisiert Licht, bedeutet Reinheit und ist Metapher für Ehre und Ruhm Gottes
Rot: Symbol für Blut und Feuer; steht ebenfalls für Barmherzigkeit
Blau: Symbol des göttlichen Himmels; steht für Treue
Grün: symbolisiert meist die Natur und steht für Hoffnung und ewiges Leben aka Unsterblichkeit
Purpur: bezeichnet gern Reue und symbolisiert das Leiden
Schwarz: fast universal symbolisiert es den Tod bzw. das irdische Ende
in diesem Sinne wünsche ich allen Lesern noch recht erfreuliche Tage, trotz aller möglichen Enthaltsamkeiten. ;)
Beverly
technorati tags: Ostern Religionen fasten








4 Kommentare:
schön wäre, wenn man auch was über weitere Religionen, wie buddismus oder hindus lesen könnte.. Die haben bestimmt auch gaaanz spannende fastentage
Das stimmt, aber das hätte mir den zeitlichen Rahmen für's Posting gesprengt. ;))
Ich hasse Fastentage. Ausserdem esse ich sowieso fast nur einmal am Tag (ausser bei speziellen Anlässen: da wird richtig gespachtelt!)
@Mathias: Ich muss dank fehlender Zugehörigk zu ernährungsbewussten Religionsgeimeinschaften auch nichts dergleichen tun - zumindest nicht verordneterweise. Und ich esse zu gern, um das aus freien Stücken zu tun. ;)
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